Geschichte des Computerclubs Bit & Byte Bergerhausen

Was macht ein Mensch, der mit 55 Jahren in den Vorruhestand geht, mit der vielen Zeit, die er auf einmal zur Verfügung hat?
Wenn man keinen Spaß daran hat, morgens mit netten Kumpels das erste Glas Bier zu trinken oder 24 Stunden vor dem Fernseher zu sitzen,
sucht man sich eine Tätigkeit,  die möglichst den eigenen Vorlieben entspricht.

Wenn man in diese Tätigkeiten noch die in 55 Jahren erworbenen Fähigkeiten und Erfahrungen einbringen kann, macht das Leben nach dem Beruf wieder richtig Spaß.

Einer der Versuche etwas Sinnvolles zu tun, war die Mitgliedschaft bei einem Wohlfahrtsverband, der AWO.
Nach kurzer Zeit war mir aber klar, dass hier nichts geboten wurde, was einem Mann in meinem Alter wirklich Spaß macht.
Ich fand aber einen jungen Mitarbeiter der AWO, Frank Kessen, der meine Ansicht teilte und auch, wie er es formulierte, die AWO vom "Supenküchen-Image" befreien wollte.
Die Idee eines Computerclubs für ältere Menschen fand seine volle Zustimmung.

Bei der AWO in Bergerhausen fanden wir einen Kellerraum den wir nutzen durften und einen Mann, der uns ideell und finanziell tatkräftig unterstützte,
den Vorsitzenden des Ortsvereins, Horst Kleiner.


In die Eingangstür wurde ein Fenster eingefügt, der Raum erhielt einen teuren 230 V Elektr. Verteilerkasten mit FI-Sicherheitsschaltern.
Später sorgte er dafür dass eine Telefonrechnung über 500 DM, die wir nicht durch unsere Einnahmen bezahlen konnten, durch den AWO Kreisverband übernommen wurde.


An dieser Stelle noch einmal ein herzliches Dankeschön an unseren Förderer.

Der Raum wurde in Eigenleistung renoviert, Arbeitstische gebaut und notwendige Leitungen verlegt.
Der Computerclub wurde vom Land NRW als förderungswürdig anerkannt und erhielt kostenlos aber zweckgebunden drei komplette Computer und einen Drucker.

Nach einem Interview, das ich Radio Essen gab, erhielten wir von einem anonymen Spender das Geld für weitere drei Computer.
Das heißt wir hatten in kurzer Zeit eine solide technische Basis.


Wir, mein Kollege Robert Manns und ich, wollten natürlich all die Dinge die heute Standard sind, wie LAN Netzwerk und W-LAN Router (Ethernet),
die 2001 aber nur in Fachkreisen bekannt waren, in unserem Club verwirklichen.


Windows 95-Home bot keine Möglichkeiten. Es gab nur teure amerikanische Geräte (600 DM), mit amerikanischen, 500 Seiten starken Handbüchern.
Unser Fachwissen war sehr theoretisch und nützte in der Praxis wenig.
Nach wochenlangen Versuchen wollten wir aufgeben. Aber zwei Tage später rief mich abends Robert Manns an und sagte, "Klaus ich sitze noch hier im Keller,
wir haben auf allen Computern einen Internetzugang".

Geschafft! Robert hat sich auch sonst intensiv um den Club gekümmert. Die erste Webseite erstellt, Videos gemacht, in der WAZ und den Stadtteilzeitungen durch Pressemitteilungen für den Club geworben.

Was hat uns erfolgreich gemacht?
Ein Konzept mit wenigen Regeln.

1. Es gibt keinen "Chef"
2. Es gibt keine Vorgaben.
3. Teamarbeit, die davon ausgeht, dass nicht jeder alles kann, aber jeder Mensch besondere Eigenschaften besitzt, die eine Gruppe erfolgreich machen.
4. Jeder gestaltet die Hilfestellung so, wie er es für richtig hält.
5. Für jeden Tag, an dem wir geöffnet haben, sind wenigstens zwei Kollegen anwesend, so dass kein Druck entsteht, wenn man einmal keine Zeit oder auch keine Lust hat.
6. Nette, geduldige, fachkundige Kolleginnen und Kollegen, die Spaß an der Zusammenarbeit mit älteren und an der Computertechnik interessierten Frauen und Männern haben.

Heute (Herbst 2014) sind wir der größte ehrenamtlich betriebene Computerclub in NRW, der 18 Stunden pro Woche mit 12 ehrenamtlich tätigen Kolleginnen/Kollegen,
durchschnittlich 45 Gästen pro Woche das Arbeiten mit Computerprogrammen vermittelt.


Namentlich sind das Friedhelm Dötsch, Rolf Kolb, Rolf Kloss, Rena Khalaf, Klaus Malecki, Wilfried Poor, Kuno Schädlich, Jochen Sanders, Klaus Schenk, Rüttger
Willems, Rolf Wehrenberg und nicht zu vergessen, die ehemaligen Kollegen Manfred Romeyke, Uwe Lindenblatt, Käthe Brixner, Klaus Demandewitz,
Christian Sust, Hans Jürgen Losch, Heide Hinze, H.J Holzapfel, H.J Schmitz*, Hans Strott*, Robert Manns*, Roswita Soltau*, Klaus Sauder*, Theo Engelen*.


* Diese Kollegen leben nicht mehr.


- Klaus Schenk -